Wenn du nicht mehr weiter weißt… fahr ans Meer

Das Café der Fragen hat seinen Namen nicht ohne Grund bekommen. Wir sind Menschen, die viel hinterfragen. Und immer wieder. Wenn etwas nicht läuft, wie geplant, setzen wir uns hin und hinterfragen. Übrigens tun wir das auch, wenn es läuft…

Seit geraumer Zeit hinterfragen wir daher das Café der Fragen.

Ist es so, wie wir es uns vorgestellt hatten?

Ist es hilfreich für die Menschen?

Ist es wirksam?

Ist es finanzierbar?

Haben wir Freude daran?

Um es kurz zu machen: Unsere Antworten auf diese Fragen tendierten immer mehr zum Nein. Das ist wahrlich keine gute Ausgangslage mehr, weshalb wir beschlossen, etwas zu ändern.

Wir stellten aber ziemlich schnell fest, dass es nicht so eine gute Idee ist, im Café darüber nachzudenken, was mit dem Café anders werden soll. So, als ob das Café immer wieder spukend vor sich hin blubbert „nein, macht das nicht…“

Am Ende kam eins zum anderen, das ist ja meistens so, wenn man (oh dieses man…) nicht weiterkommt: Am Ende haben wir das Café zugeschlossen und sind ans Meer gefahren. Ganz spontan. Zum Betriebsausflug. Früher haben wir sowas mit unseren Teams gemacht. Heute, als Team zu zweit, müssen wir selbst erkennen, wann es an der Zeit ist. Und uns selbst ein Programm ausdenken. Und mitmachen.

Die größte Frage, die es zu beantworten galt: Was machen wir ab Mai?

Wie ändern wir die Öffnungszeiten?

Das wir diese ändern müssen, war Alex klar. 12 Stunden im Café war für ihn nicht mehr vorstellbar. Die Umstellung des freien Tages war eigentlich sowieso schon beschlossen und zu diesem Zeitpunkt schon von ein paar unserer Gäste validiert, aber was bedeutete das im Einzelnen?

Was soll das Café bewirken?
Dass es gerade nicht wirksam ist, war klar. Aber was sollte es eigentlich leisten?

Für mich war von Anfang an, seit wir mit dem Café als Gedanken nur gespielt hatten, klar, dass es etwas Größeres sein sollte. Nicht einfach nur ein Café, in dem es Kaffee und gesunde Torten gibt. Es sollte ein Ort sein, der für sich spricht. Zu dem Leute von weit her gereist kommen.

Und genau das war das Problem, das wir jetzt, ein halbes Jahr später haben: Wir haben Gäste aus der ganzen Welt, die aber nur kommen, weil es bei uns günstiges veganes Essen gibt, das auch nicht ganz schlecht bewertet ist. Versteh mich nicht falsch, das ist schön. Es freut mich, wenn mein Essen schmeckt. Aber: Das war nie das Ziel. Die Leute sollen des Ortes und unseretwegen kommen, und nicht wegen des Essens. Es wird immer Essen geben, aber eben andersherum. Das es kein Match zwischen unserer Idee und unseren Gästen ist, merken wir daran, wenn die Fragensticker auf den Tischen zurückbleiben. Bei einem macht uns das nichts. Wenn es aber überhand nimmt, tut das schon weh. Und in der letzten Zeit hat es einfach überhand genommen.

Wir haben also mit einer weißem Blatt Papier angefangen. Und der Idee der Institution. Wir hätten uns auch ein einfacheres Wort aussuchen können, aber das passt am besten.

Das Café der Fragen als Institution für bewusstes Leben. Das ist das Ziel, die Idee.

Das so schwarz auf weiß zu sehen, war schon mal was anderes. Oder eher Bleistift auf Papier. Ich schreibe herrlich gern mit Bleistift. Das nur am Rande.

Dann gingen wir hin und recherchierten, was eigentlich eine Institution ist. Denn dazu hatten wir uns vorher nicht wirklich Gedanken gemacht. Das Wort war einfach da.

Wenn es um eine Institution geht, geht es um Worte wie

Prinzipien, Werte, Gesellschaft, Anreize, Wachstum, menschliche Beziehungen, nachhaltig, Handeln, Riten, Stabilität, Unterstützung, Klarheit

Institutionen sind vor allem wichtig, wenn Unsicherheit vorherrscht. So wie dieser Tage. Ich kann es zwar nicht mehr hören, aber in Zeiten von Digitalisierung und Wertewandel ist das nun einfach mal Fakt. Vieles ist im Umbruch und noch viel mehr wird sich ändern. Das ist nochmal einen ganz eigenen Gedankenstrich wert, an dieser Stelle der Betrachtung der Institution geht es erstmal um die daraus resultierende Angst. Die Institution kann an dieser Stelle helfen, das Handeln leiten und Willkür beschränken durch einen gemeinsamen Handlungsrahmen und damit verbundene Verpflichtungen.

Für alle, die an dieser Stelle selbst bei Wikipedia nachlesen: Nein, das Café ist keine totale Institution. Wir halten nichts von Totalen. Es geht immer nur um die Idee dahinter. Und wie wir sie interpretieren. Das Gute an der Sache herauspicken.

Warum bewusst?
Weil bewusst Möglichkeiten schafft. Dadurch, dass wir die Realität und die Konsequenzen erkennen, dadurch dass wir wach sind, Wissen haben und handeln, haben wir Wahlmöglichkeiten. Diese ermöglichen uns wiederum einen größeren Handlungsspielraum. Und der führt zu mehr Freiheit.

Wir haben auch noch recherchiert, was andere Menschen mit „bewusstes Leben“ assoziieren und landeten bei

Achsamkeit, Meditation, Yoga, Gesundheit, Essen, vegan, glutenfrei, Glück, Zufriedenheit, Selbstliebe, Sinn, Selbstverwirklichung, Esoterik, Spiritualität, Bücher, Zeitschriften, Nachhaltigkeit, Fitness, Freude, Kinesiologie

Spiritualität und Esoterik haben wir dann rausgestrichen. Das ist nicht die Art von Institution, die wir erschaffen möchten. Alles andere passt.

Als wir die Institution als solche geklärt hatten, schauten wir uns an, was wir, als Leiter dieser Institution, eigentlich wollen und können. Und was wir können wollen. Denn Können ist ja immer relativ.

Durch die Gespräche mit unseren Gästen und unseren Erfahrungen aus den letzten sechs Monaten kamen wir schnell zum Punkt des Vorlebens. Vorleben durch Prinzipien und Werte. Diese sind bei uns stark ausgeprägt. Das Café haben wir, um nach diesen zu leben.

Vertrauen     Hinterfragen     Authentizität     Proaktivität     Wertschätzung     Teilen     Win-Win     Sicherheit     Verantwortung

Eine Sache, die aus dieser Session bereits umgesetzt ist: Diese Werte hängen jetzt im Café. Gleich vorn neben dem Tresen. Gemalt auf ein altes Brett, welches die Vormieter als Eingangsschild nutzten.

Wichtig war für uns auch, mal aufzuschreiben, was wir nicht wollen. Alex sagt gern in Trainings, dass es uns Menschen so leicht fällt, zu sagen, was wir nicht wollen und so schwer, zu sagen, was wir eigentlich wollen. Bei uns ist das oft umgekehrt. Nun hatten wir es Bleistift auf Papier.

Wir wollen kein Motivator mit schlauen Motivationssprüchen sein.

Wir wollen niemandem versprechen, dass das Leben mit oder durch uns besser wird.

Wir wollen niemandem das Denken und Handeln abnehmen.

Wir wollen keine Gastronomen sein. Die Menschen sollen der Institution und unseretwegen, nicht des Essens wegen, kommen.

Wir wollen die Balance nicht verlieren. Unsere Balance.

Das war sehr wichtig. Dagegen verblassen die zwei anderen Punkte unter was wollen & können wir: Wissensvermittlung und Unterstützung. Klar sind die wichtig. Aber wenn ich auch jetzt nochmal auf dieses Blatt schaue – der Punkt Vorleben wirkt noch immer am wichtigsten.

Das alles haben wir übrigens am Strand gemacht. im warmen Sand, das Meeresrauschen im Rücken. Das war herrlich. So frei und ohne Druck. Einfach aufschreiben, was im Inneren ist. Einfach klingt einfach, ist es nicht immer, mit den richtigen Rahmenbedingungen kann es aber wieder einfach sein.

Dann zogen wir in den Schatten um. Und kamen zu einer wirklich schwierigen Frage. Es sollte die letzte des Tages sein.

Wie verdienen wir Geld um das Café der Fragen und unser Leben zu finanzieren?

Tja, ich kann dir sagen, diese Frage ist bis heute nicht abschließend geklärt. Es ist nicht so, als wenn wir uns vor der Eröffnung darüber keine Gedanken gemacht hatten. Das war alles geklärt. Nur ist vieles davon nicht eingetreten. Was diese Frage immer wieder aufwirft. Und uns noch mehr aus der Balance bringt. Denn was sagt Alex immer: Wirtschaftlichkeit ist die Basis unseres Handelns, aber nicht Zweck unserer Existenz.

Deshalb gibt es nun diese neue Seite: Werde Möglichmacher.

Für alle, die an diese Idee, die Institution, die Prinzipien und Werte glauben und diese unterstützen möchten. Vielleicht nur noch nicht wissen, wie, als Leute zum Pancake essen vorbeischicken. Für alle, die auch etwas ändern möchten. Die die Gesellschaft verbessern möchten. Denn wer ist die Gesellschaft wenn nicht wir? Wir alle tragen unseren Teil dazu bei. Jeden Tag. Den ganzen Tag.

Wir haben im letzten halben Jahr gemerkt, dass wir so nicht weitermachen können. Es war uns von Anfang klar und es wird jeden Tag klarer: Wir schaffen das nicht allein. Wir haben nicht die Kraft und auch nicht die Macht, das alles allein auf den Weg zu bringen. Wenn es hingegen immer mehr werden, die das alles formen und mitgestalten, kann es klappen.

Wir schaffen den Rahmen. Das Café ist da. Der Rest muss einfach leben.

Schau es dir an: Werde Möglichmacher. Trage es in die Welt hinaus. Wir brauchen viele Möglichmacher. Danke!

Achso, und wenn du dich fragst, was mit der offenen Frage der Öffnungszeiten passiert ist: Unsere neuen Öffnungszeiten ab 2. Mai sind

Mo-Do 14:00 bis 18:00 Uhr | Sa&So 9:00 bis 15:00 Uhr (Küche schließt 30 Minuten vorher)

Außerdem haben wir jeden Abend von Montag bis Donnerstag eine Veranstaltung. Wir haben uns verschiedene Reihen ausgedacht. Am Ende entscheidet ihr, welche ab Juni regelmäßig fortgeführt werden.

Montags und mittwochs gibt es von 8:00 bis 9:00 Uhr Morning Yoga, mittwochs außerdem nochmal von 12:00 bis 12:45 Uhr für all diejenigen, die in der Mittagspause etwas Entspannung suchen. Alle Yogi haben danach die Möglichkeit, gesund zu essen und zu trinken bzw. es mitzunehmen.

Mehr zu all diesen Änderungen erfährst du am 3. April ab 18:00 Uhr bei #läuftbeiuns. Anmeldung über Facebook. Wir freuen uns auf jeden, der an diesem Abend da ist!

 

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