Gedankenstriche aus dem Café der Fragen

Gestern hatte das Café der Fragen Halbjähriges. 6 Monate gibt es diesen Ort nun schon.

Pünktlich, aber ohne von diesem denkwürdigen Tag zu wissen, einer Eingebung folgend, schaute gestern morgen ein Gast herein. Wir kennen sie schon fast seit Anfang an.

Sie bestellte einen Tee und fragte mich, wie es uns geht. Nicht dieses Bla-Wie-geht-es-dir, sondern die ehrliche Version davon. Die ich-will-es-wirklich-wissen-weil-ich-mich-für-dich-interessiere-Version sozusagen. Auch wenn wir mittlerweile dank des Cafés ziemlich kommunikativ geworden sind und auch mit Gefühlen nicht hinterm Berg halten, bricht ein ehrliches Wie-geht-es-dir bei mir immer noch mehr auf als ein einfach daher gefragtes.

Also sagte ich zu ihr: „Wir haben heute Halbjähriges.“ Nach einer kurzen Gratulationspause fügte ich hinzu: „Und wir haben heute Abend eine Veranstaltung, die heißt, warum das Café der Fragen scheitern wird.“ Auch hier gestand ich ihr eine kurze Verschnaufpause zu und sagte weiter: „Und da keiner kommen wird, machen wir viertel nach sechs zu und gehen essen.“

So begann mein Tag. Desillusioniert statt Feierlaune. Traurigkeit statt Stolz.

Auf das weitere Gespräch mit ihr folgte in mir ein innerliches Hoch. Es war von kurzer Dauer. So wie immer in der letzten Zeit. Ja, ich bin Waage, aber auch für mich sind diese starken Schwankungen seit einiger Zeit nicht mehr wirklich normal.

Der Tag verlief ohne Highlights. Die Sonne schien, gefühlt das zweite Mal in diesem Jahr. Dementsprechend sonnenhungrig waren die Berliner. Zu Alex sagte ich: „Ich kann ihnen das nicht mal übel nehmen. Ich sehe keinen Grund, warum heute jemand ins Café der Fragen kommen sollte“. Zur Abwechslung meinte ich es diese Mal ganz ohne Ironie.

Also freuten wir uns schon auf die leckeren Tapas, die uns am Abend erwarteten und mixten uns eine Glam Rum Cola und machten für uns Popcorn, um zumindest zu zweit anzustoßen.

Doch es kam anders.

Um 17:52 Uhr ging die Tür auf und Olli kam herein. „Ach, du kommst wegen der Veranstaltung. Ja, du wirst der einzige bleiben, unser Plan war, um viertel nach sechs zu schließen.“ Um sechs kam Caro. Wir hatten zwar Tags zuvor Kontakt, aber am Ende der Kommunikation war ich der Meinung, dass sie sich vertan und nächste Woche gemeint hatte. Umso erfreuter war ich nun, dass sie den ganzen Weg vom anderen Ende der Stadt auf sich genommen hatte, obwohl wir vor wenigen Tagen bereits ein Gespräch über das Thema des Abends geführt hatten. Wenige Minuten später kam dann auch noch Maike. Die einzige Facebook-Anmeldung, von der wir ausgingen, dass sie wie sonst für Facebook üblich eine glänzende No-Show-Rate hinlegen würde. Das ist gar nicht böse gemeint, sondern aus unserem Erfahrungsrucksack gezaubert. Und diesen Erfahrungsrucksack mussten wir nun mit dieser neuen Erfahrung auskippen und neu packen: Eine Anmeldung, was eigentlich heißt, dass nur ein Drittel wirklich kommt. Nun hatten wir eine Quote von 300%. Mein Herz ging auf.

Es war eine tolle Runde auf den Paletten. Wertvoll, offen. Wir erzählten von unserer Idee hinter dem Café, unserem Warum im Leben und unserem Was. Wir sagten ganz offen, dass wir das Gefühl haben, dass das Café in seiner ursprünglichen Form gescheitert ist. Und das wir allein nicht mehr weiterkommen.

Ein Rückzugsort und Fragenraum, das sollte das Café sein. Aber was ist, wenn scheinbar niemand diesen Rückzugsort braucht?

Als jemand irgendwann auf die Uhr schaute, war es schon fast neun. Viele Themenbereiche haben wir angesprochen, Ideen ausgetauscht, abgewägt. Am Ende des Abends fragten wir, ob solch ein Ort wie das Café der Fragen für die Runde wertvoll erscheint. Die Antwort war ja. Vielleicht anders. Aber hat das nicht ein jeder, der das Café betritt, die Chance und auch die Aufgabe, es mitzugestalten, es zu seinem Ort zu machen? Das war von Anfang an die Idee hinter dem Café. Aber wer kennt eigentlich die Idee? Und wenn keiner die Idee hat, dass es eine tiefere Idee gibt, wer soll sich dann für die Idee interessieren?

Für uns haben sich aus dem gestrigen Abend mehrere Ansätze herauskristallisiert. Eine davon liest du gerade. Wir beginnen nun endlich damit, diese Dinge, Erkenntnisse und Gedanken aufzuschreiben. Den Wirkungskreis vergrößern. Im Café sprechen wir bereits über all das, erreichen damit jedoch nur einen Bruchteil von den Leuten, die wir durch das geschriebene Wort erreichen können.

Willkommen im Café der Fragen Gedankenstrich.

Wir haben vieles aufzuholen. Unseren Weg bis hierhin, die Idee, das Konzept, unsere Ängste und freudige Momente. Mehr Transparenz. Und auch wenn ich oft der Meinung bin, dass das eh niemanden interessiert: Wenn es nur eine/r ist, ist es es dann nicht schon wert?

1 Comment

  1. Liebe Nadine, lieber Alex, ich wünsche euch ganz laute Trommeln für euer tolles Café der Fragen! ihr habt da einen wunderbaren Ort, und ja!- es interessiert. mich zumindest. also schon mal nciht „keiner“. Leider wohne ich nicht in Berlin, sonst würde ich mit Alva so viel öfter bei euch vorbeischauen! Ich wünsche euch alles, alles Gute!! liebe grüße, Irina

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